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gesundheit-heute.de » Krankheiten | Therapie » Krankheiten & Therapie » Herz, Gefäße, Kreislauf » Erkrankungen des Blutdrucks und der arteriellen Blutgefäße

Bluthochdruck



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte von mindestens 140/90 mmHg.

Etwa 25 % der erwachsenen Bevölkerung und die Hälfte der über 60-Jährigen leiden an Bluthochdruck, wobei knapp ein Drittel der Betroffenen nichts davon wissen.

Jeder langjährige Bluthochdruck belastet das Herz und schädigt die arteriellen Gefäße. Er ist aber einer derjenigen Risikofaktoren für die Entstehung von Arteriosklerose, Herzinsuffizienz, KHK, Schlaganfall, Nierenfunktionsstörung oder Durchblutungsstörungen von Gliedmaßen, die der Patient selbst beeinflussen kann.

Als Blutdruckentgleisung (hypertensive Krise) bezeichnet man Blutdruckwerte über 230/130 mmHg. Es drohen dann Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Komplikationen, z. B. der akute Schlaganfall, die akute Linksherzinsuffizienz mit Lungenödem bis hin zur Aortendissektion. Eine sofortige Blutdrucksenkung durch einen (Not-)Arzt und die Einweisung in eine Klinik sind erforderlich!

Leitbeschwerden

  • Kopfschmerzen beim Aufwachen, vor allem im Hinterkopfbereich
  • Herzklopfen, stechende Brustschmerzen
  • Häufiges Nasenbluten
  • Atemnot bei Belastung
  • Schwindelanfälle, Ohrensausen, Sehstörungen bis hin zu kurzen Ohnmachtsanfällen, Verwirrtheit.

Bei zugrunde liegenden Hormonstörungen:

  • Muskelschwäche, auffällig viel Durst und Wasserlassen, ungewöhnliches Schwitzen, ausgeprägte Gewichtsveränderungen.

Bei Blutdruckentgleisung:

  • Möglicherweise Sehstörungen, Schwindel, stärkste Kopfschmerzen, Atemnot, Herzschmerzen oder reißende Schmerzen im Brustkorb oder Bauchbereich, Bewusstseinsstörungen oder Lähmungserscheinungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Erstmals hohe Blutdruckwerte gemessen werden
  • Sich Beschwerden wie grundloses Nasenbluten (außer bei Jugendlichen während der Pubertät), Blut im Urin oder Kopfschmerzen beim Aufwachen häufen
  • Sich Körperform, Gewicht, Durst, Wasserlassen, Schwitzen oder die Belastungsfähigkeit auffällig ändern
  • Herzklopfen, Schwindelanfälle oder Sehstörungen auftreten.

Sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus, wenn die Blutdruckwerte

  • Anhaltend über 200/130 mmHg liegen
  • Sich mit eigenen Blutdruckmedikamenten nicht absenken lassen
  • Mit Unwohlsein verbunden sind.

Die Erkrankung

Bluthochdruck liegt vor, wenn bei mehrmaligen Messungen an verschiedenen Tagen, zu verschiedenen Zeiten in Ruhe Werte von 140/90 mmHg und mehr ermittelt wurden. Die arterielle Hypertonie tritt oft gemeinsam mit stammbetontem Übergewicht, („Apfeltyp“), Diabetes oder pathologischer Glukosetoleranz, Fettstoffwechselstörungen oder erhöhten Harnsäurewerten auf, metabolisches Syndrom.

Es gibt unterschiedliche Grundformen von hohem Blutdruck:

Bei der essenziellen Hypertonie (primäre Hypertonie, idiopathische Hypertonie, über 90 % aller Bluthochdruckpatienten) ist die auslösende Ursache unbekannt. Die familiäre Häufung zeigt, dass überwiegend erbliche Faktoren vorliegen. Daneben begünstigen Lebensgewohnheiten ihre Entwicklung, z. B. Rauchen, erhöhter Kaffee-, Alkohol- und Salzkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht und Stress. Bei Frauen ist Bluthochdruck oft mit den hormonellen Veränderungen nach den Wechseljahren verbunden, ohne dass man die genauen Zusammenhänge kennt. Vor den Wechseljahren leiden Frauen seltener an Bluthochdruck als Männer.

In 5–10 % der Fälle stellt der Bluthochdruck eine Folgeerscheinung von Nierenerkrankungen, hormonellen Störungen oder arteriellen Gefäßverengungen dar und wird daher als sekundäre Hypertonie bezeichnet. Im Gegensatz zur essenziellen Hypertonie ist die sekundäre Hypertonie heilbar, wenn die auslösende Ursache beseitigt wird:

  • Vor allem die Niere kann über die Ausschüttung blutdruckwirksamer Substanzen und über die ausgeschiedene Harnmenge den Blutdruck beeinflussen. Viele chronische Nierenerkrankungen sind daher auch mit hohem Blutdruck verbunden, z. B. Glomerulonephritis. Daneben täuscht eine Verengung der für die Nierendurchblutung verantwortlichen Arterie (Nierenarterienstenose) einen zu niedrigen Blutdruck vor, was ebenfalls blutdrucksteigernde Reaktionen in Gang setzt b(renale Hypertonie). Wenn man zu lange wartet, um die Verengung zu beseitigen, kann es sein, dass der Bluthochdruck „fixiert“ wird und trotz einer Operation bestehen bleibt.
  • Eine ganze Reihe von Erkrankungen der Hormondrüsen (so z. B. Erkrankungen der Nebenniere, der Schilddrüse, der Nebenschilddrüse und der Hirnanhangsdrüse) kann neben anderen Beschwerden auch den Blutdruck erhöhen, z. B. bei Conn-Syndrom, Phäochromozytom, Cushing-Syndrom, Adrenogenitalem Syndrom, Akromegalie, Schilddrüsen-Überfunktion oder Nebenschilddrüsen-Überfunktion.
  • Auch unter der Einnahme verschiedener Medikamente, z. B. der „Pille“ oder Kortison, kann sich Bluthochdruck entwickeln.
  • Sind erhöhte Blutdruckmesswerte nur auf die Arme begrenzt, so weist dies auf die Aortenisthmusstenose hin.

Folgen des Bluthochdrucks. Langjährig erhöhter Blutdruck führt zur Verdickung der linken Herzkammermuskulatur als Folge der erhöhten Leistung des linken Herzmuskels gegen den permanent erhöhten Gefäßwiderstand der Körperschlagadern. Der verdickte Herzmuskel braucht aber entsprechend mehr Sauerstoff für seine Mehrleistung. Dieser Mehrbedarf kann so ausgeprägt ausfallen, dass die Herzkranzgefäße keine ausreichende Durchblutung des Herzmuskels mehr gewährleisten und bei Belastung Angina pectoris entsteht. Im weiteren Verlauf erschöpft der Herzmuskel und es entwickelt sich eine Herzinsuffizienz sowie eine Neigung zu Herzrhythmusstörungen und zu arteriosklerotischen Gefäßveränderungen an anderen Organen. Die WHO teilt die Bluthochdruckkrankheit anhand der entstandenen Organschäden in die Bluthochdruckstadien Grad I bis Grad III ein. Bei einem Blutdruck vom WHO-Grad I liegen noch keine Schäden vor, beim WHO-Grad II sind beginnende, beim WHO-Grad III fortgeschrittene hochdruckbedingte Organschäden festzustellen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Weil der Blutdruck auch bei Gesunden natürlichen Schwankungen unterliegt und sich von Minute zu Minute ändert, darf einzelnen Messwerten nicht zuviel Bedeutung beigemessen werden. So führt z. B. die innere Anspannung bei Arztbesuchen dazu, dass sich ~ 30 % der dort gemessenen Blutdruckwerte bei weiteren Kontrollen nicht bestätigen (Weißkittelhochdruck).

Bei schwankenden Blutdruckwerten ist der Mittelwert aus wenigstens 12 Messungen über eine Woche verteilt als maßgeblicher Blutdruckwert anzusehen. Auch eine Langzeit-Blutdruckmessung eignet sich bestens, um den tatsächlichen Blutdruck zu ermitteln. Sie hat den Vorteil, dass sie auch die nächtlichen Blutdruckwerte berücksichtigt.

Bei neu entdecktem Bluthochdruck muss zunächst geklärt werden, ob es sich um eine essenzielle oder sekundäre Form handelt und ob bereits Folgeschäden bestehen. Der Arzt prüft daher, ob eine familiäre Veranlagung für Bluthochdruck bekannt ist und ob Risikofaktoren oder Hinweise für Herz- und Gefäßkrankheiten, Nierenerkrankungen oder Hormonstörungen vorliegen. Meist schließen sich Laboruntersuchungen, EKG, Echokardiografie, Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes und der Nierengegend und eine Urinuntersuchung an. Bei einem Verdacht auf eine sekundäre Hypertonie werden je nach vermuteter primärer Ursache weitere Untersuchungen notwendig.

Am Augenhintergrund sind die Folgen des Bluthochdrucks schon vergleichsweise früh durch Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen sichtbar. Dies kann im Zweifelsfall den Ausschlag zur Behandlung auch bei nur gering erhöhten Bluthochdruckwerten geben. Da die Augen einen Anteil des Gehirns darstellen, ist bei Hypertonikern die Spiegelung der Netzhaut sehr wichtig. Vom Durchblutungszustand des Augenhintergrundes kann ein Rückschluss auf den Durchblutungszustand des Gehirns gezogen werden.

Jahrzehntelange Beobachtungen, bei denen die Höhe des Blutdrucks mit Folgeerkrankungen bzw. den Todesursachen verglichen wurde, führten zu folgender Einteilung der Blutdruckmesswerte.

Blutdruck

Systolisch

Diastolisch

Optimal

Unter 120 mmHg

Unter 80 mmHg

Normal

Unter 130 mmHg

Unter 85 mmHg

Noch normal

130–139 mmHg

85–89 mmHg

Leichte Hypertonie (Schweregrad 1)

140–159 mmHg

90–99 mmHg

Mittelschwere Hypertonie (Schweregrad 2)

160–179 mmHg

100–109 mmHg

Schwere Hypertonie (Schweregrad 3)

Über 180 mmHg

Über 110 mmHg

Labile Hypertonie

(nur zeitweise erhöhte Blutdruckwerte)

z. T. über 140 mmHg

Isolierte systolische Hypertonie1

Über 140 mmHg

Unter 90 mmHg

1Nach dem 65. Lebensjahr nimmt die isolierte systolische Hypertonie an Häufigkeit zu, bei der nur der systolische Wert erhöht ist, während der diastolische gleich bleibt oder sogar noch absinkt. Diese Bluthochdruckform ist unbehandelt ebenso schädlich wie die Erhöhung beider Blutdruckwerte.

Behandlungsnotwendigkeit. Ob und wie weit der Blutdruck gesenkt werden soll, hängt vom Gesamtrisiko für Herz- und Gefäßkrankheiten, vom Allgemeinzustand und von den Wünschen des Patienten ab.

  • Ohne zusätzliche Risikofaktoren kann bei einer leichten Hypertonie ohne erkennbare Organschäden mit Blutdruckwerten bis 159/99 mmHg der weitere Verlauf zunächst beobachtet werden.
  • Bestehen zusätzliche Risikofaktoren wie Diabetes, Fettstoffwechselstörung, Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Übergewicht, körperliche Inaktivität, fortgeschrittenes Alter oder Bluthochdruck bei Blutsverwandten oder sind bereits bluthochdruckbedingte Herz- und Nierenschäden oder arteriosklerotische Veränderungen der Blutgefäße nachweisbar, so ist eine Behandlung selbst bei „noch normalen“ Blutdruckwerten bis 139/89 mmHg angezeigt.
  • Bei der isolierten systolischen Hypertonie wird erst ab systolischen Werten über 160 mmHg mit der Behandlung begonnen.
  • Bei älteren Menschen über 65 Jahre werden manchmal Blutdruckwerte bis 160/100 mmHg ohne Behandlung toleriert, wenn eine Neigung zu Schwindel und Stürzen bekannt ist oder frühere Behandlungsversuche mit Hochdruckmedikamenten zu Schwindel oder anderen schwer zu ertragenden Nebenwirkungen geführt haben.

Zielwerte. Hat sich der Patient zu einer blutdrucksenkenden Therapie entschlossen, wird die Absenkung des systolischen Blutdruckwertes auf 140 mmHg und die Absenkung des diastolischen auf 90 mmHg angestrebt. Bei Diabetikern sollte ein Zielblutdruck von 140/85 mmHg erreicht werden.

Viel Beachtung erlangte 2015 die SPRINT-Studie. Sie kam zu dem Ergebnis, dass bei Nicht-Diabetikern mit hohem kardiovaskulärem Risiko die Gesamtsterblichkeit deutlich reduziert werden kann, wenn der systolische Blutdruck auf Werte um 120 mmHg gesenkt wird. Ferner legen die Studienergebnisse auch bei mildem Bluthochdruck eine konsequente Behandlung nahe.

Eine Verhaltensänderung hin zu einem gesunden Lebensstil senkt den Blutdruck um etwa 10 mmHg. Damit wird eine Reduktion der notwendigen Blutdruckmedikamente erreicht. Bei leichten Hypertonieformen kann eine medikamentöse Therapie überflüssig werden. In der Praxis sind aber leider viel zu wenige Patienten bereit, den anstrengenden Weg einer Änderung des Lebenstils zu gehen, obwohl damit neben dem Bluthochdruck auch andere Risikofaktoren, z. B. die Blutfette und auch die psychische Konstitution, sehr günstig beeinflusst werden – was Tabletten nicht bewirken können. Eine große amerikanische Studie ergab zudem, dass eine zu starke medikamentöse Blutdrucksenkung das Risiko für Nierenversagen erhöht.
Eine starke medikamentöse Blutdrucksenkung, die nach gängigen Richtlinien bei Vorliegen starker Risikofaktoren wie Nierenerkrankungen mit hoher Eiweißausscheidung auf Zielwerte von unter 130/80 mmHg erfolgen soll, ist demnach zu hinterfragen.

Die Möglichkeit, den Risikofaktor „erhöhter Blutdruck“ auszuschalten, sollte unbedingt genutzt werden, da der Blutdruck ohne großen Aufwand zu messen ist und zahlreiche gut verträgliche Medikamente zur Behandlung zur Verfügung stehen!

Pharma-Info: Medikamente bei Bluthochdruck

Benötigen Patienten, die Kalziumantagonisten erhalten, eine Antibiotika-Behandlung, sollten Ärzte vorsichtig sein. Die Kombination der blutdrucksenkenden Mittel mit den Antibiotika Clarithromycin und Erythromycin verursacht einen starken Blutdruckabfall. Das Risiko für die Patienten, dadurch einen Schock zu erleiden, erhöht sich unter Erythromycin um das Sechsfache und unter Clarithromycin um das Vierfache. Zur Behandlung von bakteriellen Infektionen bei betroffenen Patienten eignet sich alternativ das Antibiotikum Azithromycin.

Vorsorge

Kontrollieren Sie ab dem 30. Lebensjahr einmal jährlich und ab dem 50. Lebensjahr halbjährlich den Blutdruck (in mehreren Einzelmessungen), um rechtzeitig auf die Entwicklung eines Bluthochdrucks aufmerksam zu werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn Bluthochdruck bei Eltern oder Geschwistern bekannt ist. Auch eine gesunde Lebensweise beugt Bluthochdruck nachweislich vor. Forscher fanden sechs Faktoren, die das Erkrankungsrisiko maßgeblich verringerten:

  • Normalgewicht
  • täglich eine halbe Stunde intensiver Sport
  • mäßiger Alkoholkonsum
  • Einnahme von Folsäure
  • Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
  • Ernährung mit wenig rotem Fleisch, Wurst und Süßgetränken

Selbsthilfe

Medikamentöse Therapie. Nebenwirkungen der Hochdruckmedikamente (wie Leistungsknick oder Potenzprobleme) sind leider häufig. Hier ist es auf jeden Fall besser, gemeinsam mit dem Arzt über einen Präparatwechsel nachzudenken, als mit der Medikation aufzuhören. Manchmal ist auch einfach nur Geduld erforderlich. Treten z. B. zu Beginn einer Blutdruckbehandlung Müdigkeit oder Schwindel auf, so muss dies keine Medikamentenunverträglichkeit sein, sondern kann eine Folge des ungewohnten normalen Blutdrucks darstellen, an den sich der Körper erst wieder gewöhnen muss.

Nehmen Sie Ihre Blutdruckmedikamente regelmäßig und langfristig ein. Nur so ist die Wirksamkeit der Behandlung gewährleistet. Wenn die Blutdruckwerte nach einiger Zeit zu hoch oder zu niedrig sind, besprechen Sie mögliche Therapieänderungen mit Ihrem Arzt.

Leisten Sie sich als Bluthochdruckpatient ein eigenes Blutdruckmessgerät zur Selbstmessung, das erleichtert die Kontrolle der Blutdruckeinstellung. Messen Sie immer zur gleichen Zeit und am gleichen Ort, z. B. sonntags früh vor dem Frühstück.

Ernährung. Am Anfang steht die Normalisierung des Körpergewichts. Der Abbau von 1kg Übergewicht lässt den Blutdruck um mindestens 1–2 mmHg absinken.

Verwenden Sie möglichst wenig Kochsalz, denn ein hoher Salzkonsum kann den Blutdruck erhöhen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Menschen mit Bluthochdruck, die Aufnahme von Kochsalz (Natriumchlorid) mit der Nahrung auf maximal 6 g täglich zu beschränken. 6 g Speisesalz entsprechen in etwa einem gestrichenen Teelöffel voll Salz. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt die Speisesalzzufuhr bei ca. 70 % der Frauen und bei ca. 80 % der Männer derzeit zu hoch. Der größte Teil wird über verarbeitete Lebensmittel und den Verzehr außer Haus zubereiteter Speisen zugeführt. Um den Salzkonsum zu reduzieren, sollte der Verzehr verarbeiteter Lebensmittel reduziert und der Verzehr unverarbeiteter Lebensmittel, wie Gemüse und Obst gesteigert werden. Es empfiehlt sich, bei der Speisenzubereitung mit weniger Salz, dafür mit reichlich Gewürzen und Kräutern zu würzen. Es fällt leichter, die Salzzufuhr zu verringern, wenn dies in kleinen Schritten passiert, damit man sich an den schwächeren Salzgeschmack gewöhnen kann.

Auch eine kalium- und ballaststoffreiche Ernährung mit vielen Früchten (Bananen sind der Kaliumlieferant schlechthin, auch Trockenfrüchte bieten viel davon), Vollkornprodukten und Gemüse lässt den Blutdruck sinken. Möglicherweise haben auch Tomaten eine blutdrucksenkende Wirkung.

So genannte Entlastungstage, z. B. ein Obst, Saft- oder Reistag pro Woche, können über eine Entwässerung und Entsalzung des Körpers zu einer messbaren Blutdrucksenkung führen.

Alkohol. Reduzieren Sie den Alkoholkonsum. Männer sollten maximal 30g, Frauen 20g Alkohol pro Tag zu sich nehmen. 20g Alkohol entsprechen etwa 0,5l Bier oder 0,25l Wein – Mengen also, die keine radikalen Einschnitte erfordern.

Bewegung. Regelmäßiges Ausdauertraining ist für Bluthochdruckpatienten eine wichtige Maßnahme zur natürlichen Blutdruckregulierung. Optimal ist ein Training, das Sie zwei- bis dreimal pro Woche für anfänglich 30, später 45 Minuten ausüben. Wichtig ist, während der körperlichen Aktivität auf eine gleichmäßige Belastungsintensität zu achten, sodass es nicht zu gefährlichen Blutdruckspitzen kommt – „Laufen, ohne zu schnaufen“ kann dafür als Motto gelten.

Angeraten ist eine sportmedizinische Eingangsuntersuchung, bevor mit einem Krafttraining begonnen wird. Das Training sollte unter der Aufsicht eines Trainers stattfinden. Zusätzlich sollte vor jeder Trainingseinheit der Blutdruck gemessen werden. Liegen die Werte zu hoch, ist es sinnvoller zu pausieren. Vermeiden Sie unbedingt Pressatmung und Wettkampfsituationen, die Sie dazu animieren könnten, Ihre körperliche Belastbarkeit zu überschreiten. Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe auch ambulante sportorientierte Hochdruckgruppen, bei denen die Trainingsprogramme unter ärztlicher Überwachung stattfinden.

Sonstige Belastungen. Meiden Sie (anhaltende) Stresssituationen in Beruf und Familie, suchen Sie Möglichkeiten zur Entspannung und achten Sie auf ausreichende Nachtruhe. Sowohl Schichtdienst als auch Fernreisen mit Jetlags können den Blutdruck steigern.

Kältereize wie Schwimmen im kalten Wasser, kalte Güsse oder eine kalte Dusche nach körperlicher Anstrengung oder einem Saunabesuch können den Blutdruck in die Höhe treiben. Dagegen wirken sich regelmäßige (morgendliche) Wechselduschen, ansteigende Armbäder oder ansteigende Fußbäder mit einem pflanzlichen Badezusatz (z. B. Thymian oder Melisse) am Abend positiv auf mäßig erhöhten Blutdruck aus.

Ist der Blutdruck stark erhöht, sollten Sie auf Saunabesuche verzichten.

Sondertext: Das Salz in der Suppe

Komplementärmedizin

Mind-Body-Therapien und Entspannungsverfahren

Pflanzenheilkunde. Viele Studien zeigen, dass mit ihnen Blutdrucksenkungen um einige mmHg erzielt werden können, aber keine ausgeprägteren blutdrucksenkenden Effekte. Zu den häufig eingesetzten Phytopharmaka gehören hoch dosierte Weißdornextrakte, Crataegus-Extrakte, (z. B. Crataegutt® forte, Regulacor®) und Knoblauchextrakte (z. B. Sapec® Dragees), denen zudem eine gefäßschützende Wirkung zugeschrieben wird. Manche Bluthochdruckpatienten sprechen auch auf Mistelkrautpräparate (z. B. Viscysat® Bürger Tropfen, viscum aar® Dragees) oder pflanzliche Kombinationspräparate (z. B. Antihypertonikum S Schuck Tropfen oder Dragees) an.

Stressgeplagte Patienten mit mäßig erhöhtem Blutdruck profitieren oft auch von entspannungsfördernden Heilpflanzen wie Baldrianwurzel, Melisseblätter oder Lavendel als ergänzende Maßnahme etwa zu einer Mind-Body- bzw. Entspannungstherapie.

Wegen möglicher Nebenwirkungen (z. B. depressive Verstimmungen) und teilweise gefährlicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie mit Alkohol raten viele Autoren von Zubereitungen mit Rauwolfia (Rauwolfia serpentina) ab.

Homöopathie. Die Homöopathie kennt verschiedene Konstitutionsmittel, die bei mildem Bluthochdruck in Frage kommen, z. B. Arnica, Belladonna, Kalzium carbonicum, Natrium muriaticum, Nux Vomica und Sulfur. Außerdem sind verschiedene Komplexmittel (z. B. Auro-cyl® Homoeopath. Funkt.-Complex Tropfen, Antihypertonicum-Weliplex®) erhältlich.

Hydrotherapie. Wer gerne badet und unter mäßig erhöhtem Bluthochdruck leidet, kann versuchen, seinen Blutdruck mit Kohlensäurebädern zu regulieren. Hierfür wird Kohlensäure als Badezusatz (in der Apotheke erhältlich) in warmes Wasser (etwa 30 °C) gegeben, das Bad sollte nicht länger als 20 Minuten dauern.

Physikalische Therapie. Mit Massagen kann ein hoher Blutdruck zwar nicht signifikant gesenkt werden, Bluthochdruckpatienten profitieren jedoch vom mentalen und muskelentspannenden Effekt.

Akupunktur. Die Nadelung individueller Punkte kann einen leicht erhöhten Blutdruck regulieren, bei stark erhöhtem Blutdruck kann die Akupunktur aber meist nur wenig ausrichten.

Weiterführende Informationen

  • www.patientenleitlinien.de (Rubrik Bluthochdruck) – Umfassende Informationen zum Thema Bluthochdruck für Betroffene und Angehörige, erstellt von der Universität Witten/Herdecke.
  • www.hochdruckliga.de – Internetseite der Deutschen Hochdruckliga e. V., Heidelberg: Informationen über Ursachen und Therapiemöglichkeiten von Bluthochdruck sowie Selbsthilfegruppen in ihrer Nähe. Dort gibt ist auch die Broschüre Bluthochdruck – das lässt sich regeln! (Rubrik Patienteninformationen, Empfehlungen für Betroffene).
  • W. Delius; E. König: Bluthochdruck. Erfolgreich behandeln - Risiken senken. Hirzel Verlag, 2005. Alles über Messung, Beeinflussung, Behandlung und Folgen des Bluthochdrucks.
  • K. Undeutsch: Schnell informiert bei Bluthochdruck. Trias, 2002. Alle wichtigen Fragen zum Bluthochdruck werden leicht verständlich beantwortet.

Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Dieter Simon | zuletzt geändert am 31.08.2016 um 15:55


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