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Kapsel- und Sehnenverletzungen an Hand und Fingern



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Gelenkkapselverletzungen: Überdehnungen ([Bänder-]Zerrungen, Kapselrisse) und knöcherne Kapselausrisse bei Fingerverstauchungen. Sie entstehen meist durch gewaltsame Überstreckung eines Fingergelenks, häufig beim Ballsport. Bei starker Krafteinwirkung und weitgehender Zerreißung der Gelenkkapsel tritt oft zusätzlich eine Fingerverrenkung (Fingerluxation) auf. Zur Therapie reicht meist eine Ruhigstellung; gelegentlich ist eine Operation erforderlich.

Sehnenverletzungen: Risse oder Durchtrennungen von Streck- oder Beugesehnen. Strecksehnenverletzungen sind wegen der geringeren Weichteilbedeckung viel häufiger als Beugesehnenverletzungen. Bei Ersteren dominieren Risse und knöcherne Ausrisse nach plötzlicher Überdehnung, bei Letzteren Durchtrennungen im Rahmen von Schnittwunden und Sägeverletzungen. Die Behandlung ist meist operativ.

Leitbeschwerden

  • Schmerzhafte Schwellung und Bewegungseinschränkung eines Fingergelenks bei einer Kapselverletzung
  • Schmerzhafte Fehlstellung im Gelenkbereich und Bewegungsunfähigkeit bei einer Verrenkung
  • Hängender Finger bei einer Strecksehnenverletzung
  • Sowohl bei Beuge- als auch bei Strecksehnenverletzungen ist es unmöglich, einen Finger aktiv und mit normaler Kraftentfaltung vollständig zu beugen oder zu strecken, jedoch besteht weitgehend normale und schmerzfreie passive Beweglichkeit, z. B. beim Bewegen des Fingers mithilfe der anderen Hand.

Wann zum Arzt

Sofort, wenn eine klaffende (Schnitt-)Verletzung an Hand oder Fingern mit Bewegungseinschränkung oder eine Fehlstellung im Bereich eines Fingergelenks vorliegt.

In den nächsten Tagen, wenn Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung im Bereich eines Fingergelenks nicht rasch wieder abnehmen.

Die Erkrankung

Die gewaltsame Überstreckung eines Fingergelenks, z. B. durch Sturz auf einen ausgestreckten Finger oder durch das Auftreffen eines Balls, führt auf der Beugeseite zur Überdehnung und oftmals auch zum Einriss der Gelenkkapsel und einer Faserknorpelplatte, die das Gelenk an dieser Stelle verstärkt. Bei seitlicher Abknickung eines Fingergelenks, z. B. des Daumengrundgelenks beim Hängenbleiben in der Skistockschlaufe (Skidaumen, ulnare Kollateralbandruptur), sind die seitliche Gelenkkapsel und die sie verstärkenden Seitenbänder betroffen. Manchmal reißen Kapsel oder Bänder mitsamt einem kleinen Knochenstück aus ihrer Verankerung am Knochen aus (knöcherner Kapselausriss bzw. knöcherner Bandausriss). Bei vollständiger Zerreißung von Kapsel und Bändern wird das Gelenk nicht mehr ausreichend zusammengehalten; es kommt zu einer Verrenkung.

Die dicht unter der Haut liegenden Beuge- oder Strecksehnen sind v. a. durch Schnittwunden gefährdet. Bei Sehnen, die durch Verschleiß vorgeschädigt sind, reichen manchmal schon heftige Fingerbewegungen, um einen Riss (Sehnenruptur) oder einen Ausriss von kleinen Knochenstücken (knöcherner Sehnenausriss) zu provozieren. Betroffen ist dabei häufig die Strecksehne des Fingerendglieds, etwa im Rahmen einer typischen Hausfrauenverletzung, die beim Einstopfen des Betttuchs zwischen Matratze und Bettrahmen entsteht.

Verletzungen von Fingernagel und Nagelbett bei Quetschungen (Hammerschlag, Autotür), Schnitt- und Sägeverletzungen zählen zu den häufigsten Handverletzungen. Auch wenn sie zunächst nach einer Kleinigkeit aussehen, erfordern solche Verletzungen immer einen Arztbesuch. Nicht korrekt behandelte Nagel[bett]verletzungen führen häufig zu Wachstumsstörungen und Verformungen des Nagels, die kosmetisch unschön und funktionell hinderlich sind. Der Arzt lässt schmerzhafte Blutansammlungen unter dem Nagel abfließen, indem er schmerzlos kleine Löcher in den Nagel bohrt. Er näht die Wunden von Nagelwall oder Nagelbett und fixiert mit der Naht bei Bedarf auch abgelöste Nagelanteile zum Schutz und zur Schienung des Nagelbetts.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Eine erste Diagnose stellt der Arzt, indem er den verletzten Finger abtastet und bewegt. Zum Nachweis einer möglichen Gelenkinstabilität bei Kapsel- und Bänderrissen versucht der Arzt, das betroffene Fingergelenk seitlich aufzuklappen und die benachbarten Knochen gegeneinander zu verschieben. Außerdem prüft er, ob eine Stauchung des betroffenen Fingers in seiner Längsachse die Schmerzen verstärkt, was eher für einen Knochenbruch als für eine ausschließliche Weichteilverletzung spricht. Röntgenaufnahmen des verletzten Fingergelenks dienen dazu, einen Knochenbruch sicher auszuschließen und einen eventuellen knöchernen Kapsel- oder Bandausriss festzustellen.

Therapie. Verrenkungen richtet der Arzt umgehend durch dosierten Zug und Druck ein, meist in Lokalbetäubung. Anschließend legt er eine Fingerschiene aus Gips, Kunststoff oder Aluminium an, die 2 bis 3 Wochen verbleibt. Auch andere Kapsel- oder Bänderrisse und kleinere knöcherne Ausrisse erfordern eine Ruhigstellung für 2 bis 3 Wochen.

Eine operative Therapie empfiehlt sich bei starker Gelenkinstabilität, z. B. bei einem Riss des kleinfingerseitigen Seitenbands am Daumengrundgelenk (Skidaumen), sowie bei größeren verschobenen knöchernen Kapselbandausrissen, die nach konservativer Therapie oftmals zur frühzeitigen Arthrose führen. Je nach Verletzung richtet der Operateur Verrenkungen offen ein, näht zerrissene Kapselanteile oder befestigt ausgerissene Knochenstücke mit Draht oder kleinen Schrauben. Manchmal blockiert er das Gelenk vorübergehend mit einem Draht, um es ruhigzustellen.

Eine durchtrennte Beugesehne näht der Arzt möglichst innerhalb der ersten 24 Stunden, weil frische Verletzungen die besten Heilungschancen haben. Da Sehnen nur langsam heilen, ist die volle Arbeitsfähigkeit erst nach 12 Wochen erreicht. Die Nachbehandlung erfolgt meist in einer speziellen Schiene (Kleinert-Schiene), in der sich der betroffene Finger aktiv strecken, aber nur passiv beugen lässt. Damit der Beugemuskel nicht an der frisch genähten Sehne zieht, übernimmt ein Gummizügel die Beugebewegung. Krankengymnastische Übungen erhalten die Beweglichkeit.

Auch verletzte Strecksehnen erfordern meist eine Naht und anschließende Nachbehandlung mit einer Schiene. Sehnenrisse am Fingerendglied heilen üblicherweise gut unter alleiniger konservativer Therapie mit mehrwöchiger Schienung in Streckstellung. Bei größeren, knöchernen Sehnenausrissen empfiehlt sich dagegen meist eine Wiederbefestigung mit Drahtnähten oder kleinen Schrauben.

Prognose

Gelenkkapselverletzungen heilen meist folgenlos. Nur bei Beugesehnenverletzungen verbleibt in ~ 20 % der Fälle eine verminderte Fingerbeweglichkeit. Ursache sind erneute Sehnenrisse unter Belastung oder Verwachsungen und Verkürzungen im Rissbereich. Manchmal ist eine erneute Operation unumgänglich, um die Sehne zu rekonstruieren oder Verwachsungen zu lösen. Auch bei Strecksehnenverletzungen bleibt manchmal eine Bewegungseinschränkung zurück.

Weiterführende Informationen

  • www.handchirurgie-ravensburg.de – Internetseite des Zentrums für Handchirurgie, Ravensburg: Unter der Rubrik Krankheitsbilder in der Handchirurgie finden sich verschiedene Handverletzungen, z. B. Beuge- und Strecksehnenverletzungen. Sehr informativ.

Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Michael Bedall | zuletzt geändert am 31.03.2016 um 17:42


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