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Reizblase



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Reizblase (vegetative Reizblase, [psychosomatisches] Urethralsyndrom): Krankheitsbild mit Beschwerden der Dranginkontinenz und/oder der Blasenentzündung, jedoch ohne krankhaften Befund. Die Ursache ist unklar, ein chronischer Reizzustand gilt als der Boden der Erkrankung. Es können seelische (psychosomatische) Probleme hinzutreten, damit die Reizblase entsteht – „die Blase schafft es nicht mehr“. Es sind nahezu ausschließlich Frauen betroffen, sodass wahrscheinlich auch hormonelle Veränderungen eine Rolle spielen. Die Therapie ist schwierig und umfasst sowohl eine psychotherapeutische Behandlung als auch Elemente der Dranginkontinenz-Therapie.

Ob die Reizblase ein eigenes Krankheitsbild darstellt, ist umstritten. Für einige Wissenschaftler ist es identisch mit der Dranginkontinenz, andere sprechen von der Reizblase als „Verlegenheitsdiagnose“. Quelle:[L02].

Leitbeschwerden

  • Häufiger und starker, plötzlicher Drang zum Wasserlassen – auch nachts – mit nur kleinen Urinmengen
  • Keine (oder nur leichte) Schmerzen beim Wasserlassen
  • Eventuell krampfartige Blasenschmerzen
  • Gelegentlich unkontrollierter Abgang von kleinen Urinmengen, meist jedoch beherrschbar.

Die Beschwerden nehmen meist über viele Wochen zu oder sie bleiben als „Restzustand“ nach einer Blasenentzündung. Sie schwanken in ihrer Intensität und sind vom übrigen Wohlbefinden abhängig.

Die Erkrankung

Nach Meinung vieler Experten ist die Erkrankung Folge eines chronischen Reizzustands der Blase, die durch vorangegangene Entzündungen, chronischen Berufs- oder Beziehungsstress oder gelegentlich auch nach medizinischen Eingriffen, wie z. B. nach der Bestrahlung eines gynäkologischen Tumors, das komplizierte Zusammenspiel von Blasenfüllung und -entleerung „verlernt“ hat. Aktuellere Forschungsergebnisse deuten einen psychoimmunologischen Prozess an, was bedeutet, dass die psychische Grundproblematik (etwa Stress) sich auf das vegetative Nervensystem auswirkt und zu einer Schwächung der Abwehrkräfte führt – aber nur in der Blasenwand. Hinzu kommt eine Fehlsteuerung der Blasenmuskeln, die sowohl Blasenentzündungen als auch der Inkontinenzproblematik den Boden bereitet. Da das vegetative Nervensystem beteiligt ist, wird die Reizblase als funktionelle Störung angesehen und nicht als organische, denn das Organ Blase ist nicht krankhaft verändert.

Das macht der Arzt

Zunächst klärt der Arzt in einem Gespräch mit der Patientin die Beschwerden. Da sich die Beschwerden aber nicht ohne Weiteres vom Krankheitsbild der Blasenentzündung oder Harninkontinenz abgrenzen lassen, untersucht der Arzt den Urin auf Bakterien (Urinkultur) und/oder Urinsediment, um eine Blasenentzündung auszuschließen.

Als Nächstes führt der Arzt eine Harnblasenspiegelung durch, um eventuell andere organische Ursachen, also Erkrankungen wie z. B. die interstitielle Zystitis oder einen Blasentumor, als Verursacher der Beschwerden zu identifizieren.

Findet der Arzt keine eindeutigen Krankheitsbefunde, so spricht man von einer Reizblase. Sie ist in der gynäkologischen und urologischen Praxis eine Ausschlussdiagnose – sie bleibt also übrig, wenn sich bei den Untersuchungen keine greifbare Erkrankung (mit organischem Befund) ergeben hat.

Die Reizblase von der Blasenentzündung und der Harninkontinenz klar abzugrenzen ist besonders schwierig, wenn die Patientin zwar gelegentlich an Blasenentzündungen erkrankt, dies aber nicht ihre Beschwerden erklärt und ein Therapieversuch gegen Blasenentzündung die Beschwerden auch nicht beseitigt.

Die Behandlung ist langwierig und ohne aktive Mitwirkung der betroffenen Patientin fast immer erfolglos. Im Zentrum steht die psychosomatische Therapie, etwa in Form einer Gesprächspsychotherapie, um der Patientin die meist bestehenden ungelösten Konflikte bewusst zu machen und ihr zu helfen, Lösungen zu entwickeln und ihre Konfliktfähigkeit zu verbessern. Durch ein Blasentraining lässt sich der Harndrang abschwächen und der Zeitraum zwischen zwei Toilettengängen erheblich verlängern.

Auch anticholinerge Medikamente, die ebenfalls bei der Dranginkontinenz eingesetzt werden, können die Beschwerden lindern. Pflanzliche Arzneimittel enthalten meist Wirkstoffe aus Kürbis, Brennnesseln, Sägepalme oder Echter Goldrute.

Bei ausgeprägten Beschwerden kann die Injektion von Botulinum-Toxin (Botox) in die Blasenmuskulatur erwogen werden. Die Injektion muss alle 6 Monate wiederholt werden.

Einige Mediziner empfehlen zur Behandlung der Reizblase eine Magnetfeldtherapie. Dabei werden Magnetfelder erzeugt, die die Durchblutung und den Zellstoffwechsel in der Blase anregen und die Schmerzen lindern. Dadurch soll der Harndrang abnehmen und das Wasserlassen erleichtert werden. Die Wirkung ist nicht wissenschaftlich gesichert.

Selbsthilfe

Ist die Dranginkontinenz nicht sehr ausgeprägt, empfiehlt der Arzt das Blasen- und/oder Toilettentraining. Dabei hält sich der Patient an regelmäßige Zeiten, zu denen er die Toilette aufsucht, um schließlich die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen schrittweise zu verlängern.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Martina Sticker, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 11.11.2016 um 11:33


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